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VW Iltis: Das ist der Ersatz-Munga (OFF ROAD 12/78)

Im Frühjahr wird VW mit dem Iltis endlich ein echtes Allrad Fahrzeug auf den Markt bringen. Als erste Zeitschrift konnte sich OFF ROAD bei Testfahrten einen Eindruck von dem neuen Wagen verschaffen, der in seiner Militär-Version den betagten DKW-Munga bei der Bundeswehr ablösen soll.


Wenn es um Volkswagen und Geländewagen geht, denkt jeder gleich an den legendären schwimmfähigen Kübelwagen aus dem Zweiten Weltkrieg. So hatten schon die Liebhaber geländegängiger Fahrzeuge bei Produktionsbeginn des VW 181 darauf gehofft, daß dieser neue Militante aus Wolfsburg, wenn schon nicht voll schwimmfähig, so jedoch zumindest voll geländetauglich sein werde. Doch der VW 181 blieb bis heute nur ein flinker PKW im Jeep-Look.



Zur Jahreswende beginnt nun der VW-Konzern mit der Produktion eines neuen geländegängigen Fahrzeug mit dem Namen "Iltis". Zunächst wird der VW Iltis, der als Ersatz für die schon recht betagten Auto-Union-"Munga" gedacht ist, in einer Militärversion an die Bundeswehr ausgeliefert. Doch schon zum Frühjahr soll es den Iltis auch in einer nicht ganz so mager ausgestatteten Zivilversion geben, die dann im europäischen Geländewagen-Angebot die Lücke zwischen dem VW 181, Renault Rodeo, dem Simca Rancho, Lada Niva und der teureren Off-Road-Luxusklasse wie dem Range-Rover und dem amerikanischen Geländewagen im Stil des "Blazer" schließen.



Vor allen Dingen in der Rückansicht und bei der Bodengruppe sieht der neue VW Iltis wie ein modernisierter Munga aus. Und im Grunde ist es auch so: Bei der Entwicklung des VW Iltis konnte man auf bewährte Bauteile der Bodengruppe und die technische Erfahrung mit dem Munga zurückgreifen.



Der neue VW Iltis ist in seinen Außenabmessungen erstaunlich kompakt: Die Gesamtlänge beträgt 3,88 m bei einer Breite von 1,52 m und einer Höhe von 1,80 m. Mit einem kurzen Radstand von 2,01 m ist die Gefahr des Aufsetzens beim Überwinden von stark ansteigenden Kuppen im Gelände merklich verringert. Jedoch geht dies eindeutig auf Kosten des Fahrkomforts, was sich bei einer schnellen Folge von Bodenwellen durch unangenehme Nickschwingungen äußert.



Schwächster Punkt des alten Munga war der im Drehmoment viel zu schwache und gegen Nässeeinflüsse und Überhitzung sehr empfindliche Zweitaktermotor. Typische Handbewegung für die Mungafahrenden Bundeswehrsoldaten war auch immer die Mischbewegung am Tankstutzen nach dem Volltanken. Diesbezüglich ist der neue VW Iltis anspruchsloser und robuster. Unter der planen vorderen Motorhaube wird in Längsrichtung ein wassergekühlter Reihenvierzylindermotor eingebaut, der mit seinem Hubraum von 1714 ccm (Bohrung 79,5, Hub 86,4 mm) 55 kW (75 PS) bei 5500 U/min leistet. Dank seiner Verdichtung von 8,0:1 kommt der VW Iltis mit Normalbenzin aus (90 ROZ). Sein maximales Drehmoment erreicht dieser 1,7-Liter-Motor mit 140 Nm bei 3000 U/min.



Als Höchstgeschwindigkeit erreicht der neue VW Iltis (Leergewicht 1340 kg) 130 km/h. Als Beschleunigungszeit von 0 auf 100 stoppten wir den von uns in einem ersten kurzen Fahrtest erprobten VW Iltis mit 28 Sekunden.



Das Fahrwerk des Iltis (Spurweite vorne 1,25 m, hinten 1,26 m) gleicht einem modernen Sportwagenfahrwerk: Doppelquerlenker vorne und hinten sichern im normalen Fahrbetrieb auf der Straße ein ausgewogenes Fahrverhalten, ohne die sonst üblichen kurzen Stöße der sonst bei Jeeps üblichen Starrachsen mit Blattfedern. Serienmäßig rollt der Iltis auf Geländereifen der Größe 6.50 R 16 (Fünfloch-Felgen 550 Sx16). Vorne und hinten hat er Trommelbremsen und ein Diagonal-Zweikreis-Bremssystem.



Der ständige Antrieb erfolgt auf die Hinterräder. Für den optimalen Krafteinsatz ist der Iltis mit einem Fünfgangschaltgetriebe ausgestattet, wobei der eine Gang als ausgesprochener Geländegang ausgelegt ist. Der Vorderradantrieb ist zuschaltbar. Differentialsperren (vorne und hinten zuschaltbar) gibt es beim neuen VW Iltis leider nur gegen Aufpreis.



Was dem OFF ROAD-Tester schon auf den ersten Kilometern mit dem neuen VW Iltis im Geländeeinsatz auffiel, war der merklich verbesserte Fahrkomfort im Vergleich zum alten Munga. Die Sitze und die Sitzposition sind auch für große Fahrer auf den beiden Vordersitzen merklich besser geworden. Nur für die hinten Sitzenden macht der Iltis bei flotter Fahrt über Waschbrettfeldwege und Schotterstrecken durch seinen extrem kurzen Radstand leider allzu viele Bocksprünge. Beruhigend ist der jetzt in dem neuen VW-Geländewagen serienmäßige dreiteilige Überrollbügel in Höhe der B-Säule. Die Lenkung ist leichtgängig und zielgenau und läßt auch im harten Geländeeinsatz nicht allzu viele Fahrbahnstöße durchkommen. Der von uns probegefahrene Iltis hatte ein exakt zu schaltendes Fünfganggetriebe, das selbst bei Laufleistung von über 20000 km im harten Geländeeinsatz im Schaltstock und den Schaltgängen noch keinen ausgeschlagenen Eindruck machte. Leider ist der Geländegang nicht synchronisiert, so daß man möglicherweise bei unerwartetem weichem Untergrund immer erst den Wagen anhalten muß, bevor man dann mit mehr Durchzug im Geländegang weiterkriechen kann.



Beim OFF ROAD-Testwagen ließ sich auch der Hebel für den zuschaltbaren Frontantrieb leider nur mit allzuviel Kraftaufwand bedienen.



Die Sichtverhältnisse sind nach vorne und zu den Seiten bei der Soft-Top-Version des Iltis erstaunlich gut. Außerdem schließt das vollabnehmbare Klappverdeck erstaunlich dicht gegen Wind und eindringendes Wasser ab.



Wünschenswert wäre es für die Zivilversion jedoch, daß man den viersitzigen Innenraum des Iltis auch mal durch ein wetterfestes Hardtop schützen kann.



Die Heizung wurde übergroß dimensioniert und hält durch kräftige Scheibendüsen und ein leistungsstarkes Gebläse die Frontscheibe eis- und beschlagfrei. Zur besseren Innenraumaufheizung besitzt der Iltis im Fußraum ein zusätzliches Warmwasserheizgebläse. Einen etwas spartanischen Eindruck macht die Gestaltung des Armaturenbretts (wie schon beim VW 181). Hier sollte man doch auch für einen Alltagsjeep mehr Wert auf personenwagenähnliche Ausstattung legen. Eine eigene Frischluftklappe unter der Frontscheibe sorgt auch im Sommer bei geschlossenem Verdeck für gute Frischluftzufuhr. Hinten besitzt der VW Iltis weit abstehende Stoßstangen, die auch mal ein leichtes Anecken vertragen.



Unverständlich eng liegt dagegen die Frontstoßstange am Karosserieblech an. Hier wünscht man sich so richtig stabile Stoßstangen à la Volvo. Gut geschützt sind dagegen die tiefliegenden Scheinwerfer, die beim Iltis keine zusätzlichen Stoßschutzgitter mehr brauchen.



Während der OFF ROAD-Testwagen alle Steigungsstrecken, Geröllwege und Wasserdurchfahrten bis zu einer Tiefe von fast 60 Zentimetern anstandslos passierte, blieb der neue VW-Geländewagen dann schließlich doch in einer allzusehr ausgefahrenen schlammigen Spurrinne hängen, nachdem die Bodengruppe voll aufgesetzt hatte. Hier zeigte sich ganz deutlich, daß für solche Anforderungen die Bodenfreiheit von 24,5 Zentimeter nicht immer ausreichend ist. Zum anderen vermißte der OFF ROAD-Tester bei den mühseligen Versuchen, den Iltis wieder freizubekommen, die serienmäßige Ausstattung mit einer Zugwinde. Denn mit solch einer Zugwinde hätte sich der festgefahrene Iltis mit Hilfe des nächsten freistehenden Baumes sehr viel leichter wieder selbst freiziehen können.



Merklich sparsamer im Vergleich zum Munga ist der neue VW Iltis sowohl im Gelände aus auch auf der Straße. Je nach Fahrweise fließen im normalen Überlandverkehr (ohne Allradantrieb) zwischen 9 und 13 Liter durch die Vergaser. Im Gelände steigt der Verbrauch dann auf 10 bis 16 Liter pro 100 Kilometer an. Damit liegt der Iltis im Vergleich zum Munga bis zu 5 Liter niedriger im Verbrauch unter ähnlichen Einsatzbedingungen. Die Reichweite beträgt dank des 80-Liter-Tanks auch bei gemischtem Straßen-Gelände-Einsatz immer noch mehr als 400 Kilometer.



Im Frühjahr soll die Auslieferung der Zivilversion beginnen, nachdem die Bundeswehr seit Anfang Dezember die ersten Iltis geliefert bekommt.



Der Preis steht noch nicht fest, doch ist damit zu rechnen, daß die Zivilversion ab Werk ca. 18.000 Mark kosten wird.




VW Iltis - Technische Daten



Motor: Hubraum: 1714 ccm; Bohrung/Hub: 79,5 x 86,4 mm; Verdichtung: 8,0 (Normalbenzin); Leistung: 55 kW/75 PS bei 5500 1/min; max. Drehmoment: 140 Nm bei 3000 1/min



Elektrische Anlage: Betriebsspannung/Batterie, V/Ah: 24/2 Batterien à 45 Ah; Drehstromgenerator: 55 Amx



Fahrleistungen: Höchstfahrgeschwindigkeit: 130 km/h; Bergsteigfähigkeit im Geländegang bei voller Nutzlast (Maximalwert): 80 %



Fahrwerk: Diagonal-Zweikreis-Bremsanlage, Bremsen vorn/hinten: Trommel/Trommel; Radführung vorn: Doppelquerlenker, Radführung hinten. Doppelquerlenker; Fünfloch-Felgen: 5.50 Fx16, Bereifung: 6.50 R-16; Lenkung: Zahnstangenlenkung



Außenabmessungen: Länge: 3885 mm, Breite: 1520 mm, Höhe: 1800 mm, Spurweite vorn/hinten: 1250 mm/1260 mm, Radstand: 2015 mm, Wattiefe: 600 mm, Bodenfreiheit 245 mm



Gewichte: Leergewicht: 1340 kg, Nutzlast: 650 kg, zul. Gesamtgewicht: 1990 kg



Füllmengen: Tank: 80 Liter



Getriebe: 5-Gang-Schaltgetriebe, davon ein Geländegang; Vierradantrieb, Vorderradantrieb abschaltbar; Differentialsperren vorn und hinten zuschaltbar (Mehrausstattung)

Geschrieben von Anonym am 28.09.2001 17:59
   
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